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Anika Geiger
09.04.2026 16:00

Die Messlatte höher legen

Joacim Eriksson feiert heute seinen Geburtstag und blickt auf eine ereignisreiche sowie emotionale Saison zurück.

Mit einer Fangquote von 91,1 Prozent in der Hauptrunde und 93,3 Prozent in den Playoffs hielt Joacim Eriksson auch in der Saison 2025|26 seiner Mannschaft weitestgehend den Rücken frei. Im Interview lässt das heutige Geburtstagskind, das bereits seine 6. Spielzeit im Trikot der Neckarstädter absolviert hat, die vergangene Saison noch einmal Revue passieren und erzählt von seinen Highlight-Momenten, den größten Herausforderungen sowie seiner Gefühlslage im 104-Minuten-Krimi. Zudem gibt er Einblicke in seine Sommerpläne und weiß, in welchem Bereich sich die Mannschaft am meisten weiterentwickelt hat.

Was war dein schönster Moment in dieser Saison bzw. der Moment, der für dich die Saison definiert hat?

Es ist schwer zu sagen, welcher Moment das war. Ich glaube, wir hatten viele gute Momente. Insgesamt hatten wir eine ganz ordentliche Saison. Ich habe das Gefühl, dass wir zum Ende hin richtig durchgestartet und nach der Februarpause als Team noch mehr zusammengewachsen sind. Ich finde, wir haben gut gespielt und es hat viel Spaß gemacht. Wir hatten viele Siege – das war schön. Und die Playoffs machen eh immer Spaß. Es war wirklich schön, dass wir Wolfsburg geschlagen haben. Das war ein großer Moment. Und dann natürlich die enge Serie gegen Köln… Gerade fällt mir aber kein bestimmter Moment ein, an den ich mich erinnern kann.

Wenn du die Saison in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Ich denke, „spaßig“, „in Ordnung“ und „aufregend“.

Welche Phase der Saison war für dich persönlich am herausforderndsten?

Ich würde sagen, als wir diese Serie von neun Niederlagen in Folge hatten. Das war hart, denn ich glaube, wir waren in den Spielen nah dran, aber wir fanden einfach keinen Weg, um zu gewinnen. Und ich habe das Gefühl, dass das eine Zeit war, in der man wirklich an sich glauben musste. Ich würde also sagen, das war die schwierigste Zeit. Aber danach war es wirklich schön, als wir einen Weg gefunden haben, da wieder herauszukommen. Ich habe das Gefühl, dass wir dadurch auch stärker geworden sind. Wir haben daraus gelernt, und ich hoffe, dass wir auch in Zukunft daraus lernen können.

Gegen welchen Gegner war es diese Saison besonders schwer zu spielen? War dies tatsächlich Köln, da ihr alle 8 Spiele verloren habt? 

Ich meine, wir haben acht Spiele verloren. Das ist hart. Es ist frustrierend, weil wir in vielen Spielen knapp dran waren. Aber ja, ich glaube, sie waren eine starke Mannschaft. Sie haben auf die richtige Art und Weise gespielt und waren in so ziemlich jedem Bereich sehr gut. Gutes Powerplay, gutes Penalty Killing und sie haben einfach nicht locker gelassen. Ich würde also sagen, sie waren wahrscheinlich der härteste Gegner in diesem Jahr, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir nah dran waren.

Im Gegensatz zu den Feldspielern, die sich immer abwechseln, steht ein Goalie das gesamte Spiel über auf dem Eis. Merkt man bei einem Spiel, das 104 Minuten dauert, dass die Konzentration mit der Zeit nachlässt? 

Ich habe mich in den Playoffs dieses Jahr großartig gefühlt. Ich war voll bei der Sache und glaube, dass meine Konzentration sehr gut war. Ich denke, wir sind klug vorgegangen, was das Training zwischen den Spielen angeht, sodass ich mich für jedes Spiel frisch gefühlt habe und das Gefühl hatte, während den gesamten Playoffs mental voll da zu sein. Vor dem letzten Spiel hatten wir am Vortag einen freien Tag, und ich habe das Gefühl, dass ich dadurch neue Energie tanken konnte. Außerdem hatten wir vorher ein richtig gutes Abendessen mit den Jungs. Als ich dann ins Spiel ging, fühlte ich mich das ganze Spiel über frisch. Der anstrengendste Teil war der Weg von der Kabine zum Eis. Das ist ein ziemlich weiter Weg in Köln. Aber auf dem Eis habe ich mich mental wirklich fit gefühlt und auch körperlich ging es mir gut. Ich hatte schon Spiele, in denen ich mich viel müder gefühlt habe.

Und wie geht man als Goalie mit dem Druck um, wenn man weiß, das nächste Tor entscheidet? Lässt man diesen Gedanken zu?

In diesem Moment denkt man nicht darüber nach. Man versucht, sich selbst ein paar positive Dinge einzureden. Ich war total aufgeregt und mir kam nie der Gedanke: „Oh, wenn ich ein Tor kassiere, verlieren wir.“ Es war eher so: „Okay, los geht’s, ich bin bereit.“ Ich war nie nervös. Ich hatte einfach das Gefühl: „Gegen mich werdet ihr kein Tor schießen.“ Ich glaube, dieses Gefühl hatte ich während der ganzen Serie. Aber am Ende haben sie dann doch ein Tor geschossen, was natürlich hart war.

In welchem Bereich hat die Mannschaft den größten Schritt nach vorne gemacht?

Wir hatten neun Niederlagen in Folge. Ich habe das Gefühl, dass wir versucht haben, die Messlatte höher zu legen – in Bezug auf unsere Ansprüche in der Kabine und auf dem Eis. Ich glaube, das hat sich im Laufe des Jahres verbessert. Und ich habe das Gefühl, dass immer mehr Jungs diese Messlatte höher legen wollen. Wir sind jetzt im Viertelfinale ausgeschieden, aber ich habe das Gefühl, dass wir höhere Ziele haben. Wir müssen alles daran setzen, dass es nächstes Jahr eine großartige Saison wird, denn viele Spieler sind durch das, was wir dieses Jahr erreicht haben, bereits sehr motiviert. Wir sind zusammengewachsen, wir sind stärker geworden, wir waren in den Playoffs eine sehr eingeschworene Truppe und viele Spieler freuen sich riesig auf die nächste Saison und darauf, was wir dort aufbauen bzw. erreichen können.

Was sind deine Pläne für die Sommerpause?

Ich werde noch ein bisschen hierbleiben, aber dann werde ich wahrscheinlich nächste Woche nach Schweden zurückkehren. Und mich dort dann um die Familie kümmern. Meine Frau hat sich in letzter Zeit sehr gut um die Kinder gekümmert, sodass ich mich ausruhen, gut essen und mich das ganze Jahr über gut vorbereiten konnte. Jetzt bin ich an der Reihe, mehr zu Hause zu sein, damit sie etwas mehr Freizeit hat. Wir werden wahrscheinlich in den Norden zu ihrer Familie fahren und sie besuchen. Dann gehe ich noch zu einer Hochzeit. Es sind also viele kleine Dinge und hauptsächlich eben Zeit mit der Familie.

Wie hält sich Joacim Eriksson über die Sommerpause fit?

Normalerweise habe ich meinen festen Tagesablauf. Ich bringe die Kinder in den Kindergarten, danach gehe ich ins Fitnessstudio, nach dem Training esse ich zu Mittag und dann hole ich sie wieder ab. Das mache ich von Montag bis Freitag. Am Samstag und Sonntag versuche ich, mich auszuruhen und die Zeit mit Freunden und Familie zu genießen. Normalerweise gehe ich montags und dienstags morgens ins Fitnessstudio und mache nachmittags Konditionstraining. Mittwochs gibt es nur ein Workout und donnerstags und freitags trainiere ich normalerweise etwas intensiver, weil ich danach zwei freie Tage habe. Das läuft den ganzen Sommer über ziemlich gleich ab.

Gibt es also keine einzige Woche, in der du gar nicht trainieren gehst?

Normalerweise nimmt man sich am Anfang der Sommerpause mehr Auszeit. Man gönnt sich vielleicht mal zwei Wochen Pause. Das ist bei jedem anders und es kommt ganz darauf an. Aber normalerweise macht man in dieser Zeit dann andere Dinge als Eishockey, zum Beispiel Golf, Tennis, Paddle oder Wandern. Es geht darum, den Körper zu bewegen, aber es hat keinen Eishockeybezug. Ich versuche immer, früh mit dem Training anzufangen, damit ich, wenn wir uns entscheiden, irgendwohin zu fahren, nicht das Gefühl habe, ich könnte mir nicht ein paar Tage frei nehmen, ohne zu trainieren und mich unwohl zu fühlen.

Tags:  appinfo
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